Hochbegabung und Allergien – (K)Ein seltenes Duo

Allergien und Hochbegabung – (K)Ein seltenes Duo

Emotionale Intensität, Selbstzweifel und Verletzlichkeit eines hochbegabten Kindes erlebe ich sehr häufig in meiner Praxis.

Häufig ist auch ein ausgeprägteres Gerechtigkeitsgefühl vorzufinden.

Hochbegabte werden als anders wahrgenommen, schlimmstenfalls hagelt es verletzende oder beleidigende Kritik. Gerade bei hochbegabten Menschen kann eine wiederholte Erfahrung von schlechtem Feedback sehr nachhaltige Wunden verursachen.
Das macht sie auch sehr schnell zu Hochsensiblen Persönlichkeiten, deren Alarmsystem frühzeitig anschlägt und Stress verursacht.

„Wird im Laufe einer erfolgreichen homöopathischen Begleitung die Psyche stabilisiert, nehmen die allergischen Symptome ab oder verschwinden ganz. Wichtige Ansätze der Stabilisierung sind unter anderem, die Verbesserung der sozialen Einbindung sowie der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls.“

Lesen Sie folgende Gedanken vom (DGhK),
der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) :

„Damit kennen Sie sich doch auch aus.“

Eine Familie sucht bei mir Hilfe für ihren achtjährigen Sohn, der stark unter Neurodermitis und Allergien leidet. Die Ärzte haben körperliche Ursachen ausgeschlossen und der Familie geraten, einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der festgestellten Hochbegabung zu suchen.

Seit knapp zehn Jahren befasse ich mich mit dem Thema „Hochbegabung“. Mir sind viele hochbegabte Allergiker oder Neurodermitiker begegnet. Entsprechende Anfragen bringen ein lebhaftes Echo, das auf die Frage hinausläuft: Gibt es Hochbegabte ohne Allergien? Oder spitz formuliert: Ist Neurodermitis eine Streber-Krankheit?
Dieser gefühlte Zusammenhang wird von Kinderärzten als wissenschaftlich nicht belegt zurückgewiesen. Wenn überhaupt, dann müsse auf Stress als verstärkendes Moment geschaut werden.

Die Eltern hochbegabter Kinder stellen dem eine eigene These entgegen:
Sind „Höherbegabte“ empfindlicher ihrer Umwelt gegenüber aufgrund der vielen Reize, die sie verarbeiten müssen?
An dieser Stelle ist es angebracht, kurz die Merkmale einer Hochbegabung zu beschreiben.
Die meisten werden an einen IQ von mindestens 130 denken, ein Wert, der von 2% der Bevölkerung überschritten wird. Eine bessere Vorstellung erhält man bei einem Blick auf die zugehörigen Eigenschaften. Hochbegabte zeigen in der Regel eine hohe Intelligenz, divergentes (abweichendes) Denken und eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit in Denkprozessen, eine ausgeprägte Neugierde und Experimentierfreudigkeit, viel Energie und Enthusiasmus. Sie verfügen häufig über ein gutes Maß an Kreativität.
Voraussetzung für die Entwicklung einer Hochbegabung sind die „overexcitabilities“ (OE), frei übersetzt: die hohe Sensibilität der Sinne. Dazu gehört die „sensorische OE“, die sich in der Unverträglichkeit bestimmter Textilien und Nahrungsmittel, Gerüche und Geräusche ausdrücken kann.
Auch emotionale Spannungen fallen in diesen Bereich. Mit einer Hochbegabung steigt die Wahrscheinlichkeit emotionaler Intensität und Verletzbarkeit.
„Emotionale OE“ bezeichnet die Fähigkeit zu Intensität, Sensibilität und Empathie. Die Kinder erleben sich oft als falsch, als wäre etwas mit ihnen nicht in Ordnung, da sie von Inhalten betroffen sind, die andere nicht stören. Emotionale Anspannungen in diesem Bereich drücken sich körperlich etwa in einem nervösen Reizmagen, in Veränderungen des Herzschlages aus.
Aus verschiedenen Gründen sind hochbegabte Kinder in den angesprochenen Bereichen verstärkt stressanfällig.
Sie erleben Stress in Situationen, die Normale als nicht belastend empfinden.
Oft treten in belastenden Situationen psychosomatische Beschwerden auf. Dies können massive Asthma, Kopfschmerzen oder Darmbeschwerden sein. Eine Mutter berichtete mir von massiven Durchfällen ihrer Tochter; auch hier fanden die Ärzte keine körperlichen Ursachen. Ich kenne hochbegabte Kinder, die die Schule im wahrsten Sinne des Wortes „zum Kotzen“ finden. Andere Krankheitsbilder sind diffus, immer aber spielen Stress durch Unterforderung und ein negativer Umgang mit dem Anders-Sein eine Rolle.
Über die Wechselwirkung zwischen Stress und dem Immunsystem existieren bereits zahlreiche Studien. Es ist bekannt, dass schon leichter Stress die körperliche Reaktion auf Allergene verstärken kann.
Die Symptome klingen auch nicht so schnell ab. Der Botenstoff VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) nimmt möglicherweise eine Vermittlerrolle zwischen Stressereignissen und Immunregulation ein. Es wird ausgehend von einer Studie vermutet, dass Stress in der Kindheit das Allergierisiko erhöht.
Erhöhte Testosteron-Werte in der kritischen Phase der pränatalen Entwicklung beeinflussen die Ausbildung der rechten Hirnhälfte und damit in der Folge auch die intellektuelle Begabung. Sie haben zudem einen negativen Einfluss auf die Thymus-Drüse. Dies führt zu einem erhöhten Risiko an Allergien und Autoimmunerkrankungen.

Stresserleben findet auf mehreren verschiedenen Ebenen statt: der körperliche Ebene, der kognitiven Ebene und der emotionalen Ebene. Die Wahrnehmung körperlicher Anspannung löst die gedankliche Suche nach der Ursache der Erregung aus. Entscheidenden Einfluss haben die begleitenden Gefühle und Erwartungen. All dies ist miteinander verwoben, kann sich aufschaukeln und in einem Teufelskreis münden.

Aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie kommt die Beobachtung, dass Kinder mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) doppelt so häufig an einer allergischen Erkrankung leiden wie Kinder ohne ADS. Der psychische Stress, hier oft ausgelöst durch Verhaltensauffälligkeiten, schwächt die Abwehrkräfte. Wird im Laufe einer erfolgreichen Behandlung die Psyche stabilisiert, nehmen die allergischen Symptome ab oder verschwinden ganz. Wichtige Ansätze der Stabilisierung sind unter anderem die Verbesserung der sozialen Einbindung sowie der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls.
Dies sind uneingeschränkt zwei für hochbegabte Kinder ebenso wichtige Punkte. Für sie kommt es aber zusätzlich darauf an, auf ihre intellektuellen Bedürfnisse einzugehen. Eine Unterforderung bedeutet Stresserleben pur.
Manchmal sind hochbegabte Kinder auch überfordert. Bezugspersonen neigen dazu, ausgehend von der schnellen intellektuellen Auffassungsgabe zu hohe emotionale Erwartungen an das Kind zu äußern.
Was kann nun aber in einer solchen Lage dem eingangs erwähnten Jungen helfen?
„Wichtiger, als auf die Haut zu sehen, ist es nach unserer Erfahrung, dem Kind in die Augen zu sehen und spüren zu lernen, was es braucht – nicht zu verwechseln mit dem Wunschablesen. Kinder brauchen Herausforderungen, Anforderungen, Aufgaben an denen sie wachsen können.“
Autorin: Cornelia Klioba, Referentin für Freie Aufgaben im Vorstand der DGhK e.V., Regionalverein Schleswig-Holstein

28.06.2009  Quelle: www.hauptsache.de